Research Group Quantum Chemistry
Quantenmechanische Rechenverfahren für Festkörper und
Oberfächen
WS96-97 (D, L, fak.)
Prof. Joachim Sauer, Dr. Frank Haase
Durchführung: Vorlesung kombiniert mit Seminar
und gelegentlichen Übungen am Computer.
Zielgruppe: Diplom und Lehramt, Chemie und Physik mit theoretischem
Interesse
Inhalt: Verwendung von Clustermodellen bzw. molekularen Modellen
für Ab initio-Rechnungen mit Gauß
funktionen (Hartree-Fock plus Elektronenkorrelation, Dichtefunktionale).
Regeln für das Design geeigneter Modelle. Vergleich mit periodischen
Verfahren (Gaußfunktionen und ebene Wellen). Besonderheiten
verschiedener Festkörpertypen (Ionenkristalle, Halbleiter, Katalysatoren).
Anwendungsschwerpunkte: Adsorption und Katalyse, Materialeigenschaften.
Literatur:
- J. Sauer, Chem. Rev. 89 (1989) 199 ff.
- C. Kittel, Einführung in die Festkörperphysik,
R. Oldenburg Verlag, 1991.
- N.W. Ashcroft, N.D. Mermin, Solid State Physics - Internat. Ed.,
Saunders College, Philadelphia 1976.
- D. J. Singh, Planewaves, Pseudopotentials and the LAPW Method,
Kluwer, Boston 1994.
- M. Payne et al., Rev. Mod. Phys. 64 (1992) 1045ff.
Gliederung:
I. These: Kristallorbitalverfahren (4h)
Grundidee am Beispiel eines Modell-Hamiltonoperators
Der Chemiker soll mit den Grundbegriffen einer periodischen
quantenmechanischen Behandlung vertraut gemacht werden. Gegenübergestellt
werden: Molekülorbitale - Kristallorbitale, Punktsymmetry - Translations
Invarianz, diskrete Orbitalenergien - Bänder
II. Antithese: Molekulare Modelle (Clustermodelle) (6h)
- 1. Bedingungen für eine lokalisierte Beschreibung
- 2. Kovalente Bindungen und die Absättigung von Clustermodellen
- 2.A. Zerschnittene Bindungen (dangling bonds) und Oberflächenzustände
- 2.B. Die Idee zerschnittener Atome und das Konzept der Pseudoatome
- 3. Ionische Bindungen - Madelung-Potential und die elektrostatische
Wechselwirkung zwischen Cluster und Umgebung
- 4. Die Vernachlässigung struktureller Randbedingungen
- 5. Zusammenfassung: Hauptfehlerquellen einer Rechnung an einem
gutgewählten Cluster
Die Auswirkungen des Herausschneidens eines endlichen Clusters aus einem
unendlichen Festkörper sollen analysiert werden, um daraus Regeln
abzuleiten, wie ein Cluster beschaffen sein muß, damit die für den
Cluster berechneten Ergebnisse entsprechenden Ergebnissen für den
periodischen Festkörper möglichst nahe kommen.
III. Intermezzo: Ab initio-Rechenverfahren der Quantenchemie
(4h)
- 1. SCF - DFT - MP2: Ein Vergleich im Hinblick auf Resourcenanforderung
- 2. Typische Resultate, Vergleich der Leistungsfähigkeit
IV. Synthese: Einbettungsverfahren oder Hybridmethoden (6 h)
- 1. Whittens Methode (für Metalle)
- 2. Pisanis Methode (für Halbleiter und Isolatoren)
- 3. Hybridverfahren Quantenmechanik/Molekülmechanik
- 4. Kritik: Berücksichtigung externer Kristallpotentiale im Hamiltonoperator des Clusters
V. Periodische Ab initio-Berechnungen mit atomzentrierten Basisfunktionen (4h)
- 1. Die Probleme dieser Methode und das CRYSTAL-Programm
- 2. Übersicht über den Stand der Anwendungen dieses Programms
VI. Alternative: Periodische Dichtefunktional-Rechnungen mit ebenen Wellen (6h)
- 1. Ebene Wellen als Basisfunktionen
- 2. Pseudopotentiale
- 3. Implementierungen, z.B. Parrinellos Programm
- 4. Übersicht über den Stand der Anwendung dieser Programme,
Aufwand und Qualität der Ergebnisse