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Humboldt-Universität zu Berlin - Mathematisch-Naturwissen­schaft­liche Fakultät - Institut für Chemie

Geschichte des Instituts für Chemie

Die "Berliner Universität" wurde 1810 gegründet, in einer Zeit von Reformen in Preußen nach der Niederlage gegen Napoleon. Der Linguist, Philosoph und Staatsmann Wilhelm von Humboldt entwarf die folgenden Prinzipien:

  • Wissenschaft ist ein offenes und niemals abgeschlossenes Bemühen,
  • Das Erarbeiten von Details soll auf die Erkenntnis der größeren Zusammenhänge zielen,
  • Forschung und Lehre können nicht getrennt werden,
  • Bildung durch freie Wissenschaft trägt mehr zur allgemeinen Wohlfahrt bei als Spezialausbildung.

Die Universität betonte ursprünglich die Geisteswissenschaften. Doch bereits damals bezeugte Alexander von Humboldt die Anziehungskraft der Gründungsprinzipien für die Naturwissenschaften, wie nach ihm viele herausragende Gelehrte, die an dieser Universität arbeiteten oder lehrten: Robert Koch, Rudolf Virchow, Hermann Helmholtz, Max Planck, Albert Einstein, Erwin Schrödinger, Max von Laue, August W. Hofmann, Emil Fischer, Otto Hahn, Liese Meitner, Walther Nernst und viele andere. So verwirklichten die Humboldt-Brüder die moderne Universität, die seitdem weltweit kopiert wurde.

Die Berliner Universität war zunächst "Unter den Linden" untergebracht. Die Chemie erhielt 1869 ihr erstes Gebäude in der Georgenstraße. Im Jahre 1890 bezog Emil Fischer ein von ihm geplantes Chemie-Gebäude in der Hessischen Straße. Die Bedeutung der physikalischen Chemie wurde früh erkannt: ein Institut für Physikalische Chemie in der Bunsenstraße wurde 1878 neben dem berühmten Physik-Institut am Reichstagsufer errichtet. Chemiker und Physiker waren in starker Wechselwirkung, wobei die Berliner Akademie der Wissenschaften als Diskussionsforum diente. Seit 2001 hat das Institut ein neues Gebäude in Adlershof im Süden Berlins.

Martin Heinrich Klaproth (1743- 1817) war der erste Professor für Chemie an der Berliner Universität. Er entdeckte mehrere Elemente, darunter z.B. das Uran. - Sein Nachfolger Eilhard Mitscherlich (1794-1863) hatte Chemie und Medizin studiert. Er verfasste eines der führenden Lehrbücher für Chemie und leitete das Institut über vierzig Jahre. - August Wilhelm von Hofmann (1818-1892) folgte Mitscherlich 1865. Er war Mitbegründer der Deutschen Chemischen Gesellschaft im Jahre 1867. - Jacobus Henricus van´t Hoff (1852-1911), ein holländischer Chemiker, legte die Grundlagen der chemischen Thermodynamik und erhielt 1901 dafür den Nobelpreis, der erste einer Reihe von Nobelpreisen in Berlin. - Emil Fischer (1852-1919) erhielt den Preis im Jahre 1902 für seine Arbeiten über Zucker und Purine, Adolf von Baeyer (1835-1917) im Jahre 1905 für seine Studien über organische Farbstoffe und aromatische Verbindungen. - Rudolf Clausius (1822-1888) etablierte die Thermodynamik als eine Wissenschaft durch seine Formulierung ihres zweiten Haupsatzes. - Walther Nernst (1864-1941) wurde Ordinarius für Physikalische Chemie im Jahre 1905. Er fand den dritten Hauptsatz der Thermodynamik, wofür er 1920 den Nobelpreis erhielt. Fritz Haber (1868-1934) wurde 1911 Direktor für Physikalische Chemie am Kaiser-Wilhelm-Institut in Berlin-Dahlem; er lehrte auch an der Berliner Universität. Er entwickelte die Ammoniak-Synthese und erhielt den Nobelpreis für Chemie des Jahres 1918. - Otto Heinrich Warburg (1883-1970) studierte Medizin und Chemie und wurde Professor für Physiologie. Er erhielt den Nobelpreis für Physiologie und Medizin 1931 für seine Entdeckungen über Enzyme bei der zellulären Respiration. - Max Bodenstein (1871-1942) folgte Nernst am Institut für Physikalische Chemie im Jahre 1923. Er ist bekannt für seine Arbeiten zur chemischen Kinetik und forschte über Katalyse und Photochemie.

Die Goldenen Jahre der Chemie und Physik in Berlin endeten 1933, und Fritz Haber, Albert Einstein und Erwin Schrödinger mussten emigrieren. Auch Walther Nernst und Max Planck erlebten große Schwierigkeiten. Wissenschaft und Kunst wurden beschnitten, Barbarei führte zum zweiten Weltkrieg, und ein Ergebnis war die Teilung Berlins und Deutschlands durch den Bau der Mauer 1961.

Danach wurde die "Humboldt-Universität zu Berlin", wie sie 1949 umbenannt wurde, auch ein politisches Instrument der DDR. Sogar sozialistische oder kommunistische Wissenschaftler wurden verfolgt, wenn sie das Regime kritisierten. Dies musste Robert Havemann (1910-1982) erfahren, der einer der Direktoren des Instituts für Physikalische Chemie war.

Der Eiserne Vorhang fiel im Jahre 1989. Das Abgeordnetenhaus entschied damals, dass Berlin weiterhin drei Universitäten haben sollte: Humboldt (HU), Freie (FU) und Technische (TU) Universität. An der Humboldt-Universität wurden alle Professuren neu besetzt. Die Zahl der Studienanfänger in den Naturwissenschaften entwickelt sich auf einen etwa gleichen Stand für alle drei Universitäten.